Barfußgefühl trotz Schuh – Der Merrell Train Lithe Glove

Das Barfußlaufen kann zu einer richtigen Passion werden, eine Philosophie, die viele Läufer weltweit leben. Erfolgreiche Beispiele gibt es viele, Läufer, die mit kohlenschwarzen Füßen ganz locker einen Marathon absolvieren oder auch ganze Gruppen, die sich zum Beispiel in der Barefoot Running Society vernetzen oder beim Barefoot Running Day zum Barfußlaufen im Juni verabreden. 

Möchte man nicht ganz auf Schuhe verzichten, gibt es verschiedene Hersteller, die unterschiedliche Konzepte anbieten. Neben meinen sehr auffälligen Vibram Five Fingers habe ich auch ein Paar sogenannter Barfußschuhe von Merrell: die Train Lithe Glove.

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MATERIAL

Die Merrell Train Lithe Glove sind flexibel, unglaublich flexibel und das nicht nur, wenn man sie mit den Händen zusammen biegt. Sie sind leicht, sehr leicht, gerade einmal 180g bei Gr.39.

Meine blaue Version der Merrell Train Lithe Glove sind ein Hingucker und das eben, obwohl sie absolut alltagstauglich sind. Die seitlichen Streifen wirken fast wie Wellen und sind stimmig mit einem Grau und hellen Blautürkis abgestimmt.

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Ich finde die Idee ein Obermaterial aus Softshell, das sehr atmungsaktiv aber wasserabweisend ist sehr gut, allerdings ist der Bereich im Vorfuß im Vergleich mit einem weichen Mesh-Material eher fest. Das Material bewegt sich zwar mit jeder Fußbewegung flexibel mit, aber die Falte, die so entsteht, drückt auf meinen Fuß, wenn ich durch sehr wildes Gelände laufe und meinen Vorfuß stark fordere. Auf glatten Strecken merke ich es aber nicht. Ansonsten schmiegt sich der Schuh sehr angenehm an den Fuß und wirkt tatsächlich eher wie ein fester Handschuh als wie ein richtiger Laufschuh. Wie man auf den Bildern sehr schön um den Knöchel herum erkennen kann, ist das Material sehr dünn und ungepolstert. Zwischen meinem Fuß und der Umwelt ist nur sehr wenig Material, einfach nur so viel, um den Fuß vor äußeren Einflüssen zu schützen.

Der Zehenbereich ist noch einmal extra durch eine Gummierung geschützt und die Laufsohle leicht über die Ferse nach hinten oben gezogen.

Die Schnürsenkelösen sind weit auf dem Obermaterial angebracht, wodurch man die beiden Außenseiten sehr gut über der Lasche zusammenziehen kann. So entsteht der Eindruck, als würde der Fuß gehalten werden und der Schuh sitzt so extrem nah am Fuß. Er schmiegt sich insgesamt sehr eng um den Mittelfuß und die Ferse. Im Vorfußbereich bieten mir die Merrell Lithe Glove sehr viel Freiraum und engen so nicht ein.

Die Vibramlaufsohle ist leicht profiliert und ich rutsche deshalb mit den Merrell Train Lithe Glove nur sehr selten. Erst wenn es richtig nass wird, bin ich etwas vorsichtiger. Ich laufe meist über Wiesen und Waldwege und kann deshalb kaum Abrieb, wie häufig berichtet wurde, feststellen.

Die 4mm Zwischensohle und die 1mm Platte im Vorfußbereich dämpfen meine Füße für mein Verständnis nur minimal ab, das Barfußgefühl bleibt für mich fast erhalten.

Die Innensohle aus Mikrofaser ist eine gute Lösung, um den Schuh auch garantiert ohne Strümpfe zu tragen. Auch wenn ich etwas zügiger unterwegs bin, habe ich nicht das Gefühl, dass mein Fußsohlen aufgrund der Reibung heiß werden. Außerdem fühlen sich meine Füße auch bei warmen Wetter angenehm trocken und frisch an. Im ‘Innenraum’ sind keine Nähte zu spüren, alles ist sehr sauber und glatt verarbeitet.

An den Knöcheln ist er sehr flach geschnitten und bietet auch hier absoluten Bewegungsfreiraum ohne dass man die Kanten des Schuhs berührt oder sogar etwas reiben könnte.


Bilder bitte anklicken für größere Ansicht.

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LAUFGEFÜHL

Die Merrell Barfußschuhe oder besser gesagt alle Barfußschuhe sollen sich nicht nur positiv auf die Fuß- und Beinmuskulatur auswirken sondern auch für ein besseres Körpergefühl sorgen. Und schon beim ersten Tragen meiner Merrell Lithe Glove laufe ich irgendwie aufrechter und meine Laufbegleitung ist etwas verwundert. Es fühlt sich nicht nur anders an, sondern sieht auch anders aus. So wie ich nur ganz konzentriert mit anderen Laufschuhen laufe, lauf ich irgendwie automatisch.

Aber ich muss meine Köpermitte mehr stabilisieren, aber was mir wirklich gut gefällt, denn es scheint meiner strapazierten Lendenwirbelsäule gut zu tun. Eben so, wie ich es bei der Physiotherapie gelernt habe. Ich kann nicht mehr so rumlümmeln, es ist fast so, als hätte ich das Sofa gegen einen Sitzhocker eingetauscht auf dem man auch besser aufrecht sitzt. Ich habe keine Chance wie in meinen bequem gedämpften, stützenden und führenden Laufschuhe in eine Schlürfhaltung zu versinken, die mich trotz Konzentration immer wieder mal überkommt. Ich muss lernen selbst meine Füße zu führen; fühlt sich fast so an, als müsse man erst seine Balance, sein Gleichgewicht finden. Das, was mir im Alltag zu Haus, im Garten, am Strand, im Gras oder auch mal auf der Straße so leicht und vertraut vorkommt, ist im Laufschritt so unglaublich ungewohnt.

Die flache Sohlenkonstruktion ruft bei den ersten Malen das Gefühl hervor, die Zehen würden nach oben ragen. Stehe ich einfach nur da, verteilt sich mein Gewicht auf den ganzen Fuß, laufe ich los, mache ich kleine tappelnde Schritte. Vermutlich sehe ich immer etwas hektisch und gejagt aus. Aber genau das, was man als Läufer häufig anstrebt, gelingt mir so mühelos. Eine hohe Trittfrequenz, unendlich viele kleine Schritte werden mit meinen Barfußschuhen ganz selbstverständlich. Langgezogene Schritte sind nicht wirklich möglich, wenn ich sicher landen möchte. Ich laufe ausschließlich über den Vorfuß und spüre meine Zehen intensiv. Keine Dämpfung federt meinen Aufprall ab. Meine Füße sind schnell warm und nach dem Training hält das wohlige Gefühl lange an. Sie sehen stark durchblutet aus und fühlen sich kraftvoll an.

Am nächsten Tag spüre ich meine Fußsohlen, aber auch die Oberseite vom Fuß macht sich bemerkbar. Zu Anfang muss ich sehr vorsichtig sein und es dauerte einige Wochen, bis ich die Distanz ganz langsam steigern kann. Nicht meine Füße jammern, sie wollen immer mehr. Vielmehr ist es der Übergang von der Achillessehne zur Wade, der sich mit starkem Muskelkater bemerkbar macht. Aber auch nicht direkt die Mitte sondern eher links und rechts davon und das Gefühl zieht sich bis zu den Knöcheln. Man braucht schon einige Zeit, bis sich der Fuß und das ganze Drum-Herum daran gewöhnt hat. Ist man aber erst einmal einige Zeit damit unterwegs, freut man sich schon auf das nächste Mal.

Es ist natürlich nicht so, als würde man komplett barfuß laufen, aber man ist sehr nah dran an diesem Gefühl. Es ist nicht unbedingt die Laufsohle, denn die vergesse ich immer relativ schnell, sondern eher das Material, das die Füße nach oben und unten hin abschließt. Der Fuß kann wunderbar atmen, aber ich spüre doch hin und wieder auf dem Spann die Lasche und das Obermaterial.

Klar ist mir aber auch, dass ich noch weit entfernt bin, um die Merrell über längere Strecken oder sogar bei Wettkämpfen zu tragen. Da Bedarf es noch einiges an Übung! Dennoch sind die Train Lithe Glove  für mein Training eine wunderbare Bereicherung. Die Kombination mit intensiven Lauf-ABC Einheiten und der Arbeit an einer stabilen Körpermitte macht mich sicher zu einem noch schnelleren Läufer und klare Tendenzen waren ja schon bei all den Wettkämpfen in diesem Jahr zu erkennen. Außerdem hat mir das Training mit ihnen geholfen viel häufiger mit leichteren Laufschuhen unterwegs zu sein, auch über längere und intensivere Diatanzen.

Komplett auf Schuhe verzichten? Kann man sicher, wie man sehr schön an der Barefoot Runners Society sehen kann. Ich traue es mir aber nur sehr bedingt zu, bei Omi im Garten oder auf dem Sportplatz, denn in der Stadt ist man sicher mit Schuhen wie denen von Merrell besser beraten. Sie bieten dem Fuß Schutz, ohne ihn zu beschweren oder einzuengen und bieten so seinem Träger ein wunderbar ähnliches Barfußgefühl.

Für mich eine lohnenswerte Investition für alle Lauflagen, einfach für jeden, der seinen Füssen etwas Gutes tun möchte und nicht komplett ohne Schuhe unterwegs sein will. An dieser Stelle vielen Dank an Merrell für das Angebot die Train Lithe Glove ausprobieren zu können. Deshalb gibt es auch für mich eine kleine Belohnung für all die Wettkämpfe und den Trainingstress in dieser Saison und damit ich im Urlaub immer und überall „barfuß“ unterwegs sein kann – die Merrell Barefoot Run Pace Glove.

RunHerne hat das passende Herrenmodell von Merrell unter die Lupe genommen und wird die ‘Train Sonic Glove’ jetzt über einen längeren Zeitraum testen.

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WEITERE MODELLE

Merrell hat mit seinen Barfussschuhen eine ganze Kollektion herausgebracht, die auf die verschiedenen Bedürfnisse Rücksicht nimmt. Egal ob es um Geländeläufe, Laufen im Wasser, um die Nutzung im Alltag oder um das natürliche Joggen geht. Es gibt auch ein Einsteigermodell, für all jene Läufer, die erst mit dem Barfußlaufen anfangen und vorsichtig einsteigen möchten.

Merrell Barefoot Run Pace Glove

Merrell Barefoot Run Pace Glove

Merrell Barefoot Water Swift Glove

Merrell Barefoot Water Swift Glove

Merrell Barefoot Run Dash Glove

Merrell Barefoot Run Dash Glove

Merrell Barefoot Bare Access Arc

Merrell Barefoot Bare Access Arc


Und was gibt sonst noch?

Merrell bietet zudem auf ihrer Seite ein Informationsportal, in dem sie viele Tipps rund um das Barfußlaufen mit ihren Lesern teilen.

Zum Abschluss noch ein interessantes Video, welch positiven Einfluss Merrell Barfußschuhe auf das Laufen und den Körper haben.

13 Responses an “Barfußgefühl trotz Schuh – Der Merrell Train Lithe Glove”

  1. Danke für diesen ausführlichen Bericht.
    Ich laufe seit einiger Zeit den Trail Glove von Merrell und finde diesen Schuh genial und genieße jeden Meter. Zwar ersetzt er nicht die “herkömmlichen” Schuhe bei langen und technischen Läufen, aber er bringt Abwechslung und richtig dosiert sorgt er für ordentlich Power in den Beinen.

  2. WOW, ein wahnsinnsBericht. Seitdem ich auf deiner Seite gelandet bin, absolviere ich nach jedem Run die letzten 200 Meter auch barfuss, … es tut wirklich gut, aber so richtig barfuss zu laufen, das ist (noch) nicht mein Ding. Diese Schuhe hören sich gut an, … na mal sehen, …

  3. Wow…ganz toller Bericht. Als Laufanfängerin habe ich mich bis jetzt noch nicht an Barfussschuhe herangetraut, aber die Argumente mit der besseren Lauftechnik etc. hören sich schon wirklich sehr gut an. Vielleicht sollte ich es erst mit kleiner Runde barfuss probieren?

  4. Der leichte Schmerz auf der Oberseite des Fußes hat sich bei mir in rasender Schnelle in eine ordentliche Sehnenreizung oder Sehnenscheidenentzündung ausgewachsen, das ging so schnell, dass es mich völlig auf dem falschen Fuß erwischt hat (=> 4 Wochen Pause). Deine Vorsicht ist also m.E. berechtigt. Es kommt aber ein Punkt, da ist die Gewöhnung weit genug fortgeschritten und Füße / Waden sind nicht mehr der limitierende Faktor.
    Das mit der Rumpfstabilität ist eine interessante Beobachtung, als ich das gelesen habe, fiel mir wiederein, wie ich eine Zeitlang von längeren Läufen barfuß / minimalistisch Bauch-Muskelkater bekommen habe.
    Alles in allem scheint es Dir Spaß zu machen, es macht jedenfalls Spaß, zu lesen, was Du hier schreibst!

    • Ja, also ich bin auch heute noch immer sehr vorsichtig. Da geht nichts drüber, ich möchte ja nicht plötzlich ausfallen und die Beine still halten müssen.
      Das mit der Rumpfstabi ist wirklich schon sehr interessant. Bei der Physiotherapie haben wir auch bei den Zehen begonnen und das, obwohl ich im Rücken Probleme habe. Es ist wirklich seltsam, wie sehr wir von unseren Füßen abhängig sind. Allein schon ein richtiger Stand und das Spreizen der Zehen als Basis kann schon einen Unterschied machen, dass sich die gesamte Körperhaltung verändert.

  5. Sehr schöner langer Bericht Din! Toll das du auch auf die Barfussschiene aufspringst. Gibt doch wirklich nichts schöneres zum Laufen.
    Von Merrell besitze ich momentan nur einen Freizeitschuh: http://www.globetrotter.de/de/shop/detail.php?mod_nr=172937&GTID=4594f93d08124a93c082524930dec7d9
    Zum Laufen steht bei mir der Road Glove, Trail Glove und Barefoot Run Bare Access auf der Einkaufsliste. Mal sehen was sich da noch ergibt! :-)
    Noch ein Tipp von mir: Wie wäre es wenn du dir den Saucony Hattori zulegst? Ich finde das dieser Schuh das beste ist was derzeit an laufbaren Barfussschuhen auf den Markt ist
    Er wiegt bei meiner Größe nur etwa 130Gramm!!!!

    • Hallo Frank, lieben Dank für dein Kommentar.
      Den Hattori habe ich mir auch schon einmal auf der Messe angeschaut und war direkt erschrocken, wie leicht er in der Hand liegt. Unglaublich, was heute alles möglich ist. Ich muss da wirklich mal reinschlüpfen.
      Wie auch Gerd, würde ich dir empfehlen, auf ein Mesh Modell zu setzen, weil es noch viel anschmiegsamer ist.

  6. Hört sich sehr interessant an. Mal sehen, wann ich “reif” für solche Schuhe bin…

    • Ich würde erst einmal komplett barfuß einfach beim Lauf-ABC oder Auslaufen anfangen. Da merkt man ganz schnell, was man sich und seinen Füßen zumuten kann.

  7. Hi Din,
    irgendwie ist mein letzter Kommentar verschwunden. Also nochmal.
    Die Schuhe von Merrell werde ich mir auf jeden Fall mal genauer zu Gemüt führen. Ich bin ja Fan dieser Laufschuhsparte. Und dein, wieder mal sehr ausführlicher Beitrag, hat mal wieder neue Einkaufswünsche gefördert. ;-)

    • Lieben Dank, Gerd. Ja, schau sie dir mal an. Wenn du es ganz weich magst und nicht so viel Wert auf wasserabweisend legst, würde ich dir die komplett aus Mesh Material empfehlen. Die schmiegen sich dann noch besser an den Fuß an.

  8. Upps, vergessen.
    Ich hatte ja ein Blogstaffelstab an Dich weitergegeben.
    Hast Du Interesse??
    http://www.diro-online.com/wordpress/archives/15741

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